es hätte auch anders kommen können, aber jetzt sind wir hier
Kuration der Gruppenausstellung mit Arbeiten von Hannah Adomßent, Caroline Cramer, Benjamin Deffner, Tom Germershausen, Felicitas Goltz, Nina Hoss-Weis, Luca Japkinas, Karolin Kirchhof, Tom Plehn, Johanne Steiner gemeinsam mit Anne-Caroline Balabanov | 06.05.–10.05.2026 | BLECH. Raum für Kunst Halle e. V., Halle (Saale)

Obwohl die in der Ausstellung „es hätte auch anders kommen können, aber jetzt sind wir hier“ versammelten Werke individuell in der Malereiklasse der Burg Giebichenstein (Prof. Tilo Baumgärtel) entstanden sind, entfaltet sich aus dem Miteinander der Positionen eine kommunikative Dynamik. Alltägliche Fragmente fügen sich durch Impulse benachbarter Bilder in spannungsvolle Narrative ein, während andere diese Verdichtungen wieder auflockern oder sogar in die gegensätzliche Richtung lenken.

Dieses Aufnehmen und Weitergeben von Impulsen beschreibt jedoch nicht nur die Kommunikation zwischen den Werken, sondern einen gemeinsamen Ausgangspunkt der künstlerischen Praxis. Die Arbeiten zeigen auf formaler wie auf inhaltlicher Ebene unterschiedliche Strategien, um Wahrnehmungen und Reaktionen auf innere und äußere Einflüsse in malerische Prozesse zu überführen. Dabei rückt nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Diskursen, dem menschlichen Innenleben, Körperlichkeit und der Intimität von Begegnungen in den Fokus.
TELEVISION
Kuration der Einzelausstellung von Felicitas Goltz | 24.04.–26.04.2026 | BLECH. Raum für Kunst Halle e. V., Halle (Saale)

Die Gemälde von Felicitas Goltz wirken wie Filmstills: Figuren in alltäglichen Räumen, ein Blick, eine Geste, eine Situation mitten im Geschehen. Die Handlung bleibt angedeutet, als wäre das Bild nur ein Ausschnitt. Unter dem Titel „TELEVISION“ zeigt die Künstlerin neue Arbeiten, die die Flüchtigkeit solcher Momente außer Kraft setzen.

Felicitas Goltz studiert in der Malereiklasse von Prof. Tilo Baumgärtel an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle.
Mechthild Lobisch
Kuration der Einzelausstellung von Mechthild Lobisch | 13.03.–10.04.2026 | Galerie Erik Bausmann, Halle (Saale)

Mechthild Lobisch gehörte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Buch- und Einbandkunst. Geboren 1940 in Schlesien, führte ihr Weg unter anderem über Paris, Essen, Brüssel und München schließlich 1995 nach Halle an die Burg Giebichenstein. Dort leitete sie viele Jahre lang die Studienrichtung „Konzeptkunst Buch“ und prägte so eine ganze Generation von Studierenden. Mechthild Lobisch verstand Bücher als künstlerische Räume und Einbände als deren Nobilitierung. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine klare Formensprache aus – strenge Ordnung und spielerische Irritation liegen dabei dicht beieinander. Symmetrien und Asymmetrien, Überlagerungen und kleine Verschiebungen schaffen eine visuelle Spannung, die den Blick lange festhält. Dabei blieb ihr Ausgangspunkt immer das Handwerk, denn gerade im präzisen Arbeiten entstand jene Freiheit, die ihre Œuvre so besonders macht. Wer sich Mechthild Lobischs Werke ansieht, merkt schnell: Papier ist hier mehr als nur ein Träger. Es wird zum Ort des Denkens – Linien, Raster und Verschiebungen bilden Ordnungen, die zugleich präzise und offen wirken. Vieles entzieht sich dem schnellen Blick und entfaltet sich erst im genaueren Hinsehen.

Diese Ausstellung lädt uns ein, genau das zu entdecken. Die Vielfalt eines Werkes, das zwischen Kunst und Handwerk, zwischen Sprache und Bild, zwischen Ordnung und Experiment seinen ganz eigenen Weg gefunden hat.
Velum
Kuration der Einzelausstellung von Elektra Tzamouranis | 05.02.–07.02.2026 | Galerie Paul Scherzer, Halle (Saale)

Wie ein dünner Schleier legen sich Farbschichten über- und nebeneinander. Sie verbinden und trennen zugleich, lassen Formen auftauchen, verschwimmen, wieder erscheinen und machen so Bewegung und Wandel spürbar. In den großformatigen Arbeiten der Serie „Velum“ folgt Elektra Tzamouranis auf formaler Ebene einer intuitiv-direkten, gestischen Herangehensweise und wagt so noch einen Schritt weiter in Richtung Gegenstandslosigkeit. Das Zurücktreten der Figur steht spannungsvoll in Konkurrenz zum immanent Körperlichen/Naturhaften, das als offener Resonanzraum in den Bildern präsent bleibt.

Malerei als Erfahrungsraum
Text für das Portfolio von Paula Hacker

Für Paula Hacker ist die Malerei selbst nicht allein Darstellungsmittel, sondern ein eigenständiger Erfahrungsraum. Besonders deutlich zeigt sich diese Haltung im bewussten Nebeneinander der technischen Verfahren: Sie arbeitet mit Acryl- und Ölfarbe und erweitert diese malerische Grundlage durch Ölpastell und Eitempera. Jede Technik besitzt für sie eine eigene Intensität, eine eigene Tiefe, eine eigene Form von Präsenz, und so folgt die Entscheidung für ein bestimmtes Verfahren dem Gefühl, das ein Bildelement vermitteln soll. In der präzisen Abstimmung zwischen Material und Ausdruck, genau dort wo die unterschiedlichen Techniken aufeinandertreffen, entsteht ein Spannungsverhältnis, das die Bildfläche aktiviert und einzelne Motive hervorhebt.

Die Struktur des Ölpastells auf Acryl oder Öl, sichtbar etwa bei der Sandburg in Der Stoff, aus dem die Träume sind (2024) oder den Zitronen im Werk Elisabeth (2025), verleiht den Elementen eine haptische Präsenz, die sie im malerischen Zusammenhang hervorhebt und zugleich stärker in ihm verankert. In Das Bild hat den Raum verlassen (2025) oder Ver-rückt (2024) arbeitet Paula Hacker bewusst mit Eitempera über Acryl, um Puzzleteile, Tisch oder Ziegelsteine in eine eigene, verdichtete Materialität zu überführen. Auf diese Weise entstehen schließlich Gemälde, deren innere Dynamik eben nicht nur aus den Bildthemen erwächst, sondern auch aus der kontrollierten Reibung ihrer Mittel.
Schlupflöcher der Zeit
Text für das Portfolio von Paula Hacker

Auf einem Tisch liegen verstreute Puzzleteile, zueinander passende Farben und Kanten suchen einander. Zwei Hände greifen, prüfen, legen wieder ab. Ruhig schweift der Blick hin und her, die Umgebung tritt zurück. Es gibt immer wieder kleine Widerstände, falsche Versuche, doch plötzlich ein Moment, in dem etwas ineinander passt. Das Dabeibleiben geschieht ohne Eile, denn Zeit spielt keine Rolle.
Was beispielhaft im Gemälde Das Bild hat den Raum verlassen (2025) thematisiert wird, ist eine leise und unvorhersehbare Verbindung zwischen Tätigkeit, Aufmerksamkeit und innerer Bewegung, die der Soziologe Hartmut Rosa als „Resonanz“ bezeichnet. Paula Hacker hält in ihren von formaler Ordnung und narrativer Zurückgenommenheit geprägten Werken genau solche Augenblicke fest. Momente, die wie Schlupflöcher der Zeit erscheinen, friedvoll wirken und in denen man ganz für sich, aber niemals einsam ist. Durch eine bewusste Universalisierung individueller Erlebnisse laden ihre Bilder nicht nur zur Kontemplation ein, sondern schaffen mit dem implizierten Verweis auf allgemeine menschliche Erfahrungen eine Atmosphäre von Nähe und Verbundenheit.

Auch in Stormy times for paper airplanes (2025) offenbart sich dieses Phänomen auf subtile Weise: Eine junge Frau sitzt am Fenster ihrer Wohnung, den Blick nach draußen gerichtet, wo gerade ein Sturm tobt. In ihrer Hand hält sie einen Papierflieger, dessen Fragilität in dieser Szenerie das Wechselspiel zwischen Kontrolle und Zufall spürbar macht. Auch hier vermittelt Paula Hacker eindrucksvoll, wie Innenwelt und Außenwelt auf mehreren Ebenen in einem flüchtigen, doch intensiven Moment zusammenfinden.
Hearing Antagonist Manifesto
Kuration | Teil der „Hearing Antagonists“ Ausstellungsreihe von Louisa Pieper | 28.02.–03.03.2025 | MARS Frankfurt, Frankfurt a. M.

Louisa Pieper stellt sich ihren Widersachern. Dabei sind ihre aktuellen Werke keine düster-angsteinflößenden Feindbilder – ganz im Gegenteil! Durch die Kraft ihrer leuchtenden Farbpalette, markanter Kompositionen und im Spiel mit unterschiedlichen Strukturen und Materialien schafft sie mutig eine Atmosphäre, die ihre persönlichen Gegenspieler Stück für Stück entmachtet. Doch wer oder was sind diese Antagonisten überhaupt? Vermeintlich Alltägliches, wie etwa das Kochen auf einem Induktionsherd, das die Hörgeräte der Künstlerin stört, beschädigt oder gar zerstört. In ihrer aktuellen Serie „Hearing Antagonists“ geht es Louisa Pieper allerdings nicht nur um die Sichtbarmachung der Hürden ihrer eigenen Schwerhörigkeit, sondern um die Auseinandersetzung mit Barrierefreiheit in der Kunstwelt im Allgemeinen.
In diesem Sinne zeigt die Ausstellung „Hearing Antagonist Manifesto“ im MARS eindrücklich, wie sich Barrierefreiheit und künstlerische Praxis gegenseitig inspirieren können. Neben dem titelgebenden Manifest der Künstlerin spielt dabei insbesondere der großflächige Einsatz von Nicki-Stoff eine zentrale Rolle. Louisa Pieper überformt den Ausstellungsraum mit dem weichen, schallschluckenden Material und verbessert so nicht nur die Akustik, sondern verbildlicht bewusst das Bedürfnis nach inklusiveren Kunst- und Begegnungsorten.
Lauschiges Plätzchen
Kuration | Teil der „Hearing Antagonists“ Ausstellungsreihe von Louisa Pieper | 29.11.–06.12.2024 | Galaxie neuer Künste, Halle (Saale)

Louisa Pieper stellt sich ihren Widersachern. Dabei sind ihre aktuellen Werke keine düster-angsteinflößenden Feindbilder – ganz im Gegenteil! Durch die Kraft ihrer leuchtenden Farbpalette, markanter Kompositionen und im Spiel mit unterschiedlichen Strukturen und Materialien schafft sie mutig eine Atmosphäre, die ihre persönlichen Gegenspieler Stück für Stück entmachtet. Doch wer oder was sind diese Antagonisten überhaupt? Vermeintlich Alltägliches, wie etwa das Kochen auf einem Induktionsherd, das die Hörgeräte der Künstlerin stört, beschädigt oder gar zerstört.

In ihrer aktuellen Serie „Hearing Antagonists“ geht es Louisa Pieper allerdings nicht nur um die Sichtbarmachung der Hürden ihrer eigenen Schwerhörigkeit, sondern um die Auseinandersetzung mit Barrierefreiheit in der Kunstwelt im Allgemeinen. Ihre Werke regen dazu an, nicht nur zu sehen, sondern auch zu lauschen – auf das, was gehört werden will, und auf das, was allzu oft überhört wird. Die Ausstellung „Lauschiges Plätzchen“ in der Galaxie neuer Künste zeigt, wie Barrierefreiheit und künstlerische Praxis sich gegenseitig inspirieren können und lädt das Publikum dazu ein, gemeinsam die Grenzen des Hör- und Sichtbaren zu hinterfragen. Besonders der Einsatz von Nicki-Stoff spielt dabei eine zentrale Rolle. Das weiche, schallschluckende Material verbessert nicht nur die Akustik, sondern verbildlicht bewusst das Bedürfnis nach inklusiveren Kunst- und Begegnungsräumen.
Illusionary Rooms
Kuration einer virtuellen Ausstellung mit Arbeiten von Katharina Landisch | 17.06.–20.08.2022 | ck_offspace

In her multimedia project „Illusionary Rooms“ the Frankfurt-based artist Katharina Landisch initially created digital spaces. Different images of „reality“ are thrown into these, varying from more to less abstract according to the space. The deformations visualize the subjective mechanisms that influence one’s constructions of reality. This exhibition curated by Anna-Lena Goltz shows a variety of pictorial fragments of the artist’s different Illusionary Rooms – image, video and sculpture.
Der Nullpunkt ist aus praktischen Gründen nicht das galaktische Zentrum
Kuration der Gruppenausstellung mit Arbeiten von Katja Neubert, Susanne Henny Kolp, Michael Seefeld, Jana Isabella Luck, Franz Rentsch, Christoph Liedtke, Hanna Sass, Julia Eichler gemeinsam mit Maximilian J. Fleischer | 17.06.–19.06.2022 | Galaxie neuer Künste, Halle (Saale)

Seit dem 16. Jahrhundert ist das heliozentrische Weltbild der Ausgangspunkt einer menschlichen Perspektive auf das Universum. Die Sonne gilt als „Zentrum der Galaxie“, obwohl der eigentliche Mittelpunkt genau der Ort ist, an dem das sichtbare Band der Milchstraße am dichtesten ist. Wollte man heute diese natur- und astrowissenschaftlichen Sachverhalte auf eine gesellschaftliche Ebene übertragen, so könnte man sagen, dass an die Stelle des Heliozentrismus ein Anthropozentrismus tritt, der den Menschen in seiner irdisch-sozialen, aber auch galaktischen Selbstverortung zum Nullpunkt aller Werte macht. In Bezug auf eine künstlerische Praxis eröffnet dieses Themenfeld einen ganzen Kosmos an Fragestellungen, die von einer Suche nach extraterrestrischen Existenzen über Perspektivreflexionen bis hin zu erkenntnistheoretischen Überlegungen reichen können. So versammeln sich in der durch Anna-Lena Goltz und Maximilian J. Fleischer kuratierten Ausstellung „Der Nullpunkt ist aus praktischen Gründen nicht das galaktische Zentrum“ neun künstlerische Positionen, die sich dem übergeordneten Thema auf unterschiedlichste Weise nähern.

The Verge
Ausstellungstext für eine Einzelausstellung von Felix Schramm | 19.02.–23.04.2022 | Galerie Tobias Naehring

„Es gibt ein Bedürfnis nach dem Ganzen. Allerdings glaube ich, dass das Ganze, die Idee der Ganzheit, heute unerreichbar geworden ist.“ (1)
In der Antike sahen sich die Künste grundsätzlich der Vollkommenheit verpflichtet, die als ästhetische Kategorie bis in die Frühe Neuzeit alles Unvollendete oder Unvollständige wertlos machte. So postulierte Thomas von Aquin in der Mitte des 13. Jahrhunderts nachdrücklich: „Die Dinge nämlich, die verstümmelt sind, sind schon deshalb hässlich.“ Erst mit Anbruch des 18. Jahrhunderts wurde das Fragment als eigenständige Gattungsform eingeführt, um sich nun im Kontrast zu der als unnatürlich wahrgenommenen Ganzheitsästhetik einer „unverfälschten Emotionalität“ anzunähern. In der Bildenden Kunst war es damals vor allem Johann Joachim Winckelmann, der mit seiner richtungsweisenden Beschreibung des Torso vom Belvedere das fragmentarische Motiv zum Ideal erhob, womit er letztlich den Weg für sämtliche Abstraktionstendenzen ebnete. Mit den beiden Weltkriegen ging in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Glaube an eine Gesamtheit gänzlich verloren, was nicht nur Theodor W. Adornos Aussage „Das Ganze ist das Unwahre“ unterstreicht. Als praktische Konsequenz daraus, werteten beinahe alle Avantgardebewegungen der Moderne die Bedeutung des Fragmentarischen auf, indem sie beispielsweise vermehrt mit Collage- und Montagetechniken experimentierten.
Die Galerie Tobias Naehring freut sich nun ab dem 19. Februar 2022 unter dem Titel „The Verge“ eine Einzelausstellung des Düsseldorfer Bildhauers und Fotografen Felix Schramm (*1970 in Hamburg) zeigen zu können, dessen vielgestaltiges Œuvre überzeugend bekräftigt, dass sich jedes vermeintlich „fertige“ Kunstwerk in einem unendlichen Kontext von Produktion und Rezeption befindet. Durch die Entwicklung komplexer Fragmentkonstruktionen – einer bewussten Antithese von Zerstörung und Kreation – lenkt der Künstler den Betrachtenden geschickt in Momente der Irritation und des Hinterfragens. Seine Arbeiten interagieren offen mit Raum und Zeit, negieren die existentielle Abhängigkeit von einer Vollendung und werden so zur Verbildlichung einer Generation ununterbrochener Schaffensprozesse.
(1) Felix Schramm im Gespräch mit Stephan Berg, in: Ausst. Kat.: Felix Schramm, Intersection, Nürnberg 2012.
